Anfang der 90er Jahre entwickelte Tim Berners-Lee den ersten Webbrowser. Er hieß 'WorldWideWeb' und war gleichzeitig ein Editor. Denn der Gedanke, der dahinter stand, und den Berners-Lee bereits ein Jahr zuvor geäußert hatte, war ein Netz aus Hypertext-Dokumenten, an denen die Menschen gemeinsam arbeiten und in denen sie ihr Wissen sammeln konnten. Damals hat wohl niemals geahnt, dass zehn Jahre Später die geschätzte Zahl der öffentlich zugänglichen Webseiten bei über 800 Millionen liegen sollte.
Doch schon bald begannen erste Benutzer des neuen World Wide Webs, Verknüpfungen zu wichtigen Seiten als sogenannte bookmarks (Lesezeichen) zu sammeln. Und so, wie das Web wuchs, wuchsen auch diese Bookmark-Listen. David Filo and Jerry Yang, zu jener Zeit Doktoranden an der Stanford University, wurden ihre persönlichen Bookmarklisten zu lang und sie begannen, daraus ein Verzeichnis aufzubauen, welches sie im Web öffentlich zugänglich machten. Das war 1994. Heute, 5 Jahre später, ist daraus das beliebteste Webverzeichnis der Welt geworden: Yahoo!
Internet-Verzeichnisse oder -Kataloge sind also Listen von Hyperlinks, die von fleißigen Menschen nach Themen sortiert und immer wieder aktualisiert werden. Können solche, 'geschichtlich' ziemlich 'alten' Suchdienste den 'moderneren' Suchmaschinen das Wasser reichen? Scheinbar ja: Marktführer Yahoo! ist weltweit der beliebteste Suchdienst überhaupt, das gilt für den deutschen Raum auch für Yahoo! Deutschland.
Dabei treffen diese Menschen meist auch schon eine gewisse qualitative Auswahl. Daher kann man sich als Benutzer eines gut geführten Verzeichnisses darauf verlassen, dass sich hinter einer Verknüpfung, der man folgt, nicht gerade der größte Müll verbirgt.
Neben diesem unschlagbaren Vorteil gibt es allerdings auch Nachteile: Nie werden die Redakteure eines solchen Verzeichnisses, sei es privat oder kommerziell geführt, alle Seiten auch nur zu einem bestimmten Themenbereich sichten können. Und sicher wird auch schon einmal eine Seite mit interessanten Inhalten - vielleicht aus optischen Gründen - durch das Sieb der Aufnahmekriterien fallen. Also kann man bei einer Suche in einem Verzeichnis nicht sicher sein, auch alle wichtigen Seiten zum Thema zu finden. Außerdem ist es natürlich technisch unmöglich, dass eine 'Handvoll' Redakteure ständig überprüft, welche der gelisteten Seiten inzwischen geändert wurden. Daher besteht im schnelllebigen Internet die Möglichkeit, dass ein guter Teil der Verknüpfungen nicht mehr aktuell ist.
Das Internet ist so umfangreich, dass ein kompletter Katalog aller Web-Seiten schon lange undenkbar ist. Daher beschränken sich viele Kataloge heute auf Spezialgebiete. Das muß jedoch kein Nachteil sein. Selbst eine privat geführte Liste von Hyperlinks zu einem bestimmten Thema kann unter Umständen so manches kommerzielle Suchwerkzeug überbieten -- wenn sie denn gut gepflegt wird. [7/1999]
Internet-Verzeichnisse, alphabetisch sortiert